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"Im 21. Jahrhundert sind formalisierte CSR-Richtlinien für Unternehmen einfach unabdingbar"

24.05.2011
Friedrichshafen - Im Vorfeld der 18. OutDoor in Friedrichshafen (14.-17. Juli 2011) gab Mark Held, Geschäftsführer der European Outdoor Group (EOG), ein Interview zum aktuellen Stand und zur zukünftigen Entwicklung der Corporate Social Responsibility (CSR) in der Outdoor-Industrie.

Corporate Social Responsibility (CSR) klingt ziemlich kompliziert. Was versteht man einfacher ausgedrückt darunter?

Mark Held: "Ganz grundlegend versteht man unter CSR, auf welche Art und Weise Unternehmen geführt werden und welche Prinzipien und ethischen Vorgaben dabei einzuhalten sind. Den Anfang macht zwangsläufig die Unternehmensspitze mit den Geschäftsführern und Eigentümern. Die dort festgelegten Prinzipien setzen sich aber stufenweise durch die komplette Hierarchie hindurch und bestimmen das gesamte unternehmerische Handeln. Noch einfacher ausgedrückt geht es bei CSR um Prinzipien. Nachhaltigkeit bedeutet die Minimierung der Auswirkungen auf die Umwelt, soziales Engagement schließlich ist das, was ein Unternehmen in Form von Wohltätigkeitsarbeit der Gesellschaft zurückgibt. All diese Elemente kommen aufeinander zurück."

Inwiefern betrifft CSR Outdoor-Unternehmen anders als andere Branchen?

Mark Held: "CSR sollte in jedem Unternehmen und jeder Branche an zentraler Stelle stehen, das ist im Outdoor-Sektor auch nicht anders. Ungewöhnlich ist in unserer Branche jedoch, dass durch den begeisterten Einsatz zahlreicher Mitarbeiter so viel Energie vorhanden ist, dass alle angesprochenen Themen in Angriff genommen werden können."

Viele Unternehmen waren schon seit langem sozial engagiert, bevor der Begriff CSR aufkam. Was fordert CSR heute?

Mark Held: "Natürlich, denn Gesellschaften funktionieren schon immer nach sozialen Grundsätzen. Die soziale Entwicklung führte im späten 19. Jh. zur Abschaffung der Kinderarbeit in vielen europäischen Ländern und zur Einführung der allgemeinen Schulpflicht und des sozialen Gesundheitswesens. Durch die Globalisierung im 21. Jh. operieren unsere Lieferketten über unterschiedliche Regionen der Welt hinweg, von denen viele sozial nicht so fortschrittlich sind wie wir. Deshalb müssen wir mit unseren Prinzipien gewährleisten, dass Menschen und die Umwelt im Zuge unserer Geschäftstätigkeiten weder Schaden nehmen noch benachteiligt werden."

Lokale Gruppen und Aktivitäten zu unterstützen, ist eine Sache, die Umstellung von Geschäftsprozessen eine andere. Warum ist das Letztere so viel schwerer, aber notwendig?

Mark Held: "Ich glaube nicht, dass eine Veränderung von der Spitze her so schwierig ist, sondern sehe die Probleme vielmehr bei der Geschwindigkeit, mit der eigenen Richtlinien in die Praxis umgesetzt werden können. Da Unternehmen Wirtschaftssysteme sind, müssen ihre Geschäftsprinzipien natürlich von einem wirtschaftlichen Konzept getragen werden."

Interessenverbände wie CCC haben über das Vehikel CSR die Outdoor-Branche attackiert. Wie offen stehen Outdoor-Unternehmen CSR gegenüber?

Mark Held: "Die Outdoor-Branche besitzt ein relativ hohes Ansehen und ist im Kundenbewusstsein sehr präsent. Ich denke, die Interessenverbände schlagen eigennützig in diese Kerbe und profitieren insofern von uns. Intern ist man gegenüber CSR und Nachhaltigkeit sehr aufgeschlossen; dies liegt, wie bereits erwähnt, zu großen Teilen an der überschäumenden Begeisterung und Energie, die unsere Branche auszeichnet."

Welchen Stand besitzt CSR in der Outdoor-Branche Europas?

Mark Held: "Die Outdoor-Branche liegt im Vergleich zu anderen von Natur aus weit über dem Durchschnitt bei CSR. Defizite haben wir bei unserem relativ lückenhaften Ansatz und der bislang noch fehlenden Formalisierung von CSR-Berichten. Die Branche wird sich dieser Punkte zunehmend bewusst und wird in diese Richtung aktiv."

Welche notwendigen Schritte müssen noch umgesetzt werden?

Mark Held: "Aus meiner letzten Antwort geht hervor, dass wir in unserem Ansatz strukturierter werden und dafür sowohl die CSR-Systeme als auch die öffentlichen Berichte dazu formalisieren müssen. Selbst als Unternehmen mit dem größten sozialen Bewusstsein und der größten sozialen Verantwortung zählt man für die Interessenverbände nur dann, wenn man dies durch Systeme nachweist und die Richtlinien öffentlich macht. Im 21. Jh. sind formalisierte CSR-Richtlinien für Unternehmen einfach unabdingbar. Auch muss man dies durch Audits unabhängiger NGOs (Nichtregierungsorganisationen) mit mehreren Stakeholdergruppen, wie der Fair Wear Foundation oder Fair Labor Association, öffentlich nachweisen."

Welche CSR-Politik betreibt die EOG und wozu hat sich der Verband verpflichtet?

Mark Held: "Die EOG übernimmt hier die Aufgabe, der Branche kollektive Informationen als Orientierung bei ihren CSR-Entscheidungen zur Verfügung zu stellen. So haben wir z. B. eine Reihe sozialer NGOs zur OutDoor gebracht, u. a. auch einen Interessenverband, nämlich die CCC. Wir möchten Unternehmen dabei helfen, die richtigen CSR-Entscheidungen zu treffen, und hier offiziell für den Outdoor-Sektor eintreten."

Welchen Einfluss hat CSR auf Geschäftsmöglichkeiten - ist den Endverbrauchern wirklich daran gelegen?

Mark Held: "Outdoor-Unternehmen verkörpern viele Vorstellungen der Verbraucher von Natur, und diese erwarten, dass wir uns an Prinzipien halten. Den Verbrauchern ist also durchaus daran gelegen, und das nehmen wir sehr ernst. Schließlich müssen wir uns stets darum bemühen, die Erwartungen unserer Kunden zu erfüllen."

Wird CSR ein Thema bei der diesjährigen OutDoor in Friedrichshafen sein? Welches Potenzial hat diese Messe?

Mark Held: "Die OutDoor gehört zu den wichtigsten Veranstaltungen der Branche in puncto Lernen und Kommunikation und ist daher für uns in allen genannten Belangen von enormer Bedeutung. Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr sich eine Branche insgesamt nach nur einer OutDoor-Messe ändern kann."

Weitere Informationen finden Sie unter www.europeanoutdoorgroup.com und www.outdoor-show.com.



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